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Schweinehund

Vom Schweinehund

Da war er nun. Er kam mit den ersten Sonnenstrahlen. Mit dem Verschwinden meiner Pullover trat er wieder in mein Leben. Mein Bauch, zusammen mit seinem Freund Winterspeck.

Ich erinnere mich an mein Vorhaben, ganz bestimmt, im Winter Sport zu treiben. Präventiv sozusagen. Doch leider vergass ich den Sport und die Tatsache das es wieder Sommer würde. Jetzt stehe ich hier, am Schneiderberg, mit meinen neuen Laufschuhen. Habe den inneren Schweinehund überwunden. Bin bereit für die Fitness zu laufen.

Ich ziehe noch mal die Laschen meiner Laufschuhe zurecht, führe noch ein Kurzgefecht mit meinem Schweinehund. Der meint, es würde reichen zum Bäcker zu gehen, ein paar Schokocroissants zu kaufen und morgen dann richtig loszulegen. Ich überwinde ihn und mache die ersten Schritte.

Olympisch. Das Gefühl Sport zu treiben macht mich stolz. Ich bin ein Jogger. Das liegt sicher  an meinen neuen Schuhen. Die sind erst ab Anfang Juni zu haben. Aber der Laufshop hat sie schon vorher gehabt und jetzt laufe ich in ihnen durch den Georgen Garten zum Leine Ufer.

Es begegnen mir Hunde und andere Jogger. Man grüsst sich, ich gehöre dazu.

Endlich erreiche ich die Leine, nach sieben Minuten langsamen Laufens. Ich trabe an ihrem Ufer entlang. Bin erschöpft, bereit aufzuhören. Meine neuen Schuhe sind nicht mal ansatzweise schmutzig. Ich muss weiter, durchhalten, laufen.

Kaffeegeruch liegt mir in der Nase, ich halluziniere. Nein, da sitzen zwei am Wasser und Frühstücken. Ein Picknickpärchen.

Die Aussicht, das auch ich bald frühstücke, gibt mir wieder Schwung. Kurz vor der Limmer Schleuse kann ich aus dem Augenwinkel miterleben, wie zwei bierbäuchige Angler einen dicken Fisch aus der Leine ziehen. Die Freude darüber ist groß. Um den Fang zu feiern, genehmigen sie sich ein Bier. Sicher nicht das Letzte am heutigen Morgen.

Ich bin auf der letzten Etappe. Neben mir fährt ein Ruderboot, daneben ein Schlauchboot mit Motor. Von dem aus, ein Mann Kommandos an die Ruderer gibt. Ich bin nicht der Einzige der leidet. Im Gegensatz zu ihnen bin ich schon auf der Zielgeraden, nach dreissig Minuten und fünfundfünfzig Sekunden fast am Ziel. Ohne Krampf und Blasen. Den Weg vom Ziel nach hause lege ich gehend zurück. Ausser Atem, aber stolz. Mir begegnen noch weitere, keuchende Jogger. Ich nicke ihnen zu, aber sie erwidern nicht. Sie kämpfen mit ihrem Schweinehund, nehme ich an. Oder sie haben nicht die neuen asics GT-2060.

                                                                                                                             Malte Wegner

 

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