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LÜTTJE LAGE
Rastlos
wenn sie die vierzig überschritten haben, werden nicht wenige Männer von einer eigenartigen Unruhe befallen. Sie schwören gewissermassen über Nacht jedwedem Müssiggang ab - und wenn die Frage “Was machen wir heute?” nicht spätestens um acht Uhr in der Früh mit einem detaillierten Plan für den Tag beantwortet wird, verabschieden sie sich für die nächsten Stunden in die Eilenriede. Dort rennen sie mehr oder weniger orientierungslos zwischen den Bäumen herum und kommen nach Stunden völlig ermattet nach Hause.
Da auch ich gelegentlich ein solches Exemplar um mich habe, weiß ich durchaus, wovon ich spreche. Die Krönung dieser Rast- und Ruhelosigkeit ist übrigens nicht selten die Teilnahme an einem Marathon in Hamburg, Berlin oder andernorts. Während sich unsereins an der Strecke die Beine in den Bauch stehen soll, laufen sie bei derlei Veranstaltungen im Pulk um die 40 Kilometer und erwarten, dass man ihnen hinterher anerkennend auf die schweissnasse Schulter klopft, ihre blutigen Füsse verbindet und sie wieder nach Hause chauffiert. Auf der Heimreise verbietet sich natürlich jedwedes Gespräch, weil der Mann auf dem Beifahrersitz schläft.
Wegen dieser Aussichten habe ich meine Teilnahme am Berlin-Marathon jetzt jedenfalls abgesagt. Ich mache mir mit einer Freundin einen netten Abend in der List und komme weit nach Mitternacht nach Hause. Das ist allemal amüsanter, als in Berlin nach zwei oder drei Vitaminsäften um acht Uhr ins Bett zu müssen, weil der Mann am nächsten Morgen fit sein will.
shi
HAZ 26.09.01
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